"In diesem Jahr trieben dunkle Vorboten Omen über das Land von Nordumbrien! Da waren Wirbelwinde, Blitzgewitter und Drachen zogen ihren Kreis über dem Meer! Diesen Zeichen folgte eine grosse Hungersnot und am 8. Januar des gleichen Jahres geschah es,
das das Wüten heidnischer Menschen Gottes Kirche auf Lindisfarne vernichtete!"
- aus der Anglo Saxon Chronic

Reenactment, was ist das eigentlich?


Da man häufig in unserem Hobby und als Außenstehender im Internet häufig  verschiedenen Begriffen begegnet, möchte ich hier erstmal eine kurze Unterscheidung erklären:

Reenactment ist, per Definition, die bestmögliche, detailgetreue Wiedergabe einer Begebenheit in ihren Abläufen, historisch, oder modern (möglichst am Orginalschauplatz), und zu den selben Bedingungen die bei dem Orginalereignis herrschten. (z.b. Hastings, Gettysburg, etc...).
In den 40ern hat die US Armee im Zuge einer Studie der West Point Academy die Schlacht von Gettysburg nachgestellt. Dafür wurde gewartet bis sogar die Wetterbedingungen gleich waren, aber die Ausrüstung der Soldaten entsprach der US Infanterie von 1943...
Trotzdem kann man das als das erste "Large-Scale" Reenactment der jüngeren Geschichte (schon ie Römer stellten bekannte Schlachten im Kolosseum nach!)  ansehen. Prominente Beispiele für Reenactment - Events sind: Völkerschlacht bei Leipzig, Waterloo,  Gettysburg, Augincourt, Hastings 1066 oder die Belagerung Morimondo.
Eine Veranstaltung ohne tatsächlich geschehenes Ereignis ist, ungeachtet der Qualität der Austattung/Gewandung per Definition kein Reenactment, sondern  Living History.


Living History (Lebendige Geschichte/Geschichte erleben) ist das Nachempfinden einer Epoche der Geschichte, des Alltagslebens und der Berufe der Menschen, die zu jener Zeit gelebt haben. Living History ist ein Begriff, der seit dem Aufkommen des Mittelalterbooms Ende der 90er Jahre oft und gerne gebraucht wird. Oft wird er auch mit Reenactment gleichgesetzt. Zur Living History gehört die Verwendung originalgetreuer, belegter Ausrüstung, die Kompromisse weitgehendst vermeidet und sich  an Funden der dargestellten Zeit orientiert. Für eine möglichst glaubhafte Darstellung ist die Sichtung von Fundberichten, Ausstattungskatalogen und die Recherche in Museen und in der Fachliteratur, sowie die quellennahe Ausstattung das Hauptkriterium der Szene. 

Experimentelle Archäologie ist der "dritte im Bunde" im Bereich historischer Hobbys. Er dient dem Testen von Erkenntnissen und kommt in 2 Fällen zum Einsatz: 
  1. Das Testen von Fundrekonstruktionen: Hier werden Theorien über den Verwendungszweck eines Fundes durch Versuche getestet. Zum Beispiel ob eine Rekonstruktion eines Schuhfundes Sinn macht, oder ob sich im Gebrauch zeigt, dass der Schuh unmöglich so konstruiert gewesen sein kann, da man sich damit nur Blasen läuft.  Ein bekannter Versuch war die Alpenüberquerung in röm. Ausrüstung von Dr. M. Junkelmann.
  2. Die Überbrückung fehlender Kenntnisse: Hier fehlt meist ein Bindeglied zwischen 2 Funden. Man ist sich zwar sicher, dass die Funktion / der Gegenstand existiert haben muss, hat aber keinerlei Anhaltspunkte wie er aussah oder wie er benutzt wurde oder hat nur ungenaue Textquellen. Man versucht dann, anhand von Querverweisen und dem Heranziehen ähnlicher Funde aus anderen Regionen / Zeiten zu rekonstruieren, wie dieses fehlende Bindeglied denn hätte aussehen können. Wichtig ist bei beiden Vorgehensweisen die Dokumentation!
Beispiele für exp. Archäologie wären die Versuchsreihen zur "Ötzi" Ausrüstung, etc...

Battle Display ist eine Sub-Kategorie von Living History und Reenactment. Battle Display umfasst die Darstellung von Schlachtsituationen und Teilnehmern vor akribisch recherchierten Hintergrund aber ohne greifbares, klar definiertes Hintergrundereignis. 

Anmerkung:  Dies ist meine Interpretation, die sich durchaus mit Interpretationen renommierterer Fachleute deckt! Dennoch hat es keinen Anspruch auf Absolutismus, genau so wenig vertrete ich die These "Jeder der es anders sieht hat Unrecht!"!